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6 Gründe, warum die Energiewende nicht schneller voran kommt


Die Energiewende ist in Gang gekommen und hat mittlerweile eine Eigendynamik entwickelt. Dennoch gibt es immer wieder Probleme, die die Entwicklung von erneuerbaren Energieträgern bremsen.

Sechs der ausschlaggebensten Faktoren, die bremsen, haben wir zusammen gefasst.

1. Fehlende Kostenwahrheit

Alle Energieträger werden in irgendeiner Form subventioniert, entweder durch Zuschüsse oder durch Vergünstigungen. Der große Unterschied liegt darin, wie sichtbar oder spürbar diese Subventionen für die Verbraucher sind.

Die Subventionen für erneuerbare Energien werden überwiegend direkt an die Endverbraucher weiterverrechnet (z.B. Ökostrom-Zuschlag). Jene für fossile Energien und Atomkraft werden hingegen großteils aus Fördertöpfen bezahlt, die aus Steuern und Abgaben gespeist werden. In Summe sind diese Förderungen höher als jene für erneuerbare Energien.

Was außerdem noch gerne ausgeblendet wird, sind die so genannten “externen Kosten”. Das sind Kosten, die nicht direkt den Erzeugern entstehen, sondern letzten Endes von der Allgemeinheit getragen werden müssen. Dazu gehören die Kosten bezüglich der Umweltverschmutzung und des Klimawandels. Diese sind bei Atomenergie und fossilen Energieträgern sehr hoch und bei Energie aus Wind- und Wasserkraft vergleichsweise niedrig.

2. Fehlende Transparenz

Versucht man zum Thema Energieproduktion und Energieverbrauch verlässliche Informationen oder statistische Daten zu bekommen, stößt man sehr schnell an Grenzen. Auf Fragen wie: “Woher kommt welche Energie?”, “Wer verbraucht wie viel?”, “Wie sind die Förderungen verteilt?” bekommt man kaum gesicherte Informationen.

Dazu ein Beispiel: 2013 gab es große Aufregung um einen Bericht der EU-Generaldirektion Energie über die Effizienz von Energie-Subventionen der EU. In einem der Presse zugespielten Berichtsentwurf fanden sich noch statistische Zahlen die aufzeigten, dass die EU Energie aus fossilen Energieträgern höher fördert, als Energie aus erneuerbaren Energieträgern. Dazu kommen noch die externen Kosten für fossile Energien und Atomkraft. In der Endversion des Berichts waren diese Zahlen verschwunden. Begründung: Sie seien nicht gesichert.

3. Information und Akzeptanz der Bevölkerung

Die beiden vorher genannten Gründe führen dazu, dass die Energiewende immer wieder unter geringer Akzeptanz der Bevölkerung leidet. Einen Akzeptanzschub bringen nur Ereignisse, die die Probleme konventioneller Energien drastisch vor Augen führen. Die Atomkatastrophe von Fukushima (Japan) im März 2011 war ein solches Ereignis. Kurz danach beschloss Deutschland den mittelfristigen Ausstieg aus der Atomkraft. Auch Japan schaltete alle Atommeiler ab, denkt aber jetzt schon wieder daran, diese zu reaktivieren und sogar auszubauen.

4. Zu wenig Innovation in der Forschung

Hinsichtlich Energieeffizienz und erneuerbare Energien wird sehr viel geforscht. Dabei teilt sich das Lager grob in zwei Gruppen. Auf der einen Seite sind diejenigen, die bestehende Technologien verbessern. Das ist gut, solange die Verbesserungen substanziell sind. Bei minimalen Fortschritten stellt sich aber die Frage der Sinnhaftigkeit. Auf der anderen - weit kleineren - Seite stehen jene, die nach neuen, innovativen Lösungen suchen, mit denen sich hohe Effekte erzielen lassen.

5. Teilweise schwache Infrastruktur

Die besten neuen Technologien können ihre Vorteile nicht ausspielen, wenn die dazu passende Infrastruktur nicht vorhanden ist. Bestes Beispiel sind Elektroautos. Sie erleben derzeit (2015) einen kleinen Boom. Aber manche Fahrer von Elektroautos berichten bereits von gelegentlichem Gedränge an den nur spärlich vorhandenen Stromtankstellen. Anderes Beispiel: Windkraft in Deutschland. Im Norden wird in Offshore-Windparks viel Strom produziert. Der Süden des Landes würde diesen brauchen. Leider fehlt es an der nötigen Leitungskapazität vom Norden in den Süden.

6. Interessenskonflikte

Des einen Freud ist des anderen Leid. Das gilt auch für die Energiewende. Von deren Notwendigkeit überzeugte Politiker wollen sie fördern und umsetzen. Aber was sie auch tun, meist stoßen sie auf Widerstand. Maßnahmen zur Reduktion des CO2-Ausstoßes missfallen der Industrie. Der Ansatz höherer Abgaben auf fossile Energieträger findet kaum Befürworter. Höhere Subventionen für nachhaltige Energien schüren den Neid der Produzenten konventioneller Energien. Alle Lager betreiben Lobbying für ihre Interessen und sind dabei oft nicht zimperlich. All das schadet der Energiewende. Ziel sollte es daher sein, möglichst ausgewogen und wahrheitsgetreu zu informieren und zu agieren.


 

Autor: Ewald Brunmüller 

Mehr zum Thema Energiewende finden Sie in der Grenzland News Nr. 20, die wir für die Niederösterreichische Grenzlandförderungsgesellschaft (NÖG) erstellt haben.