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Hat die Energiewende Zukunft?


Der Begriff Energiewende bezeichnet den stetigen Übergang von fossilen Energien und Atomkraft hin zu erneuerbaren Energien. An der Energiewende wird seit vielen Jahren gearbeitet - einmal mehr, mal weniger. Sie entwickelt sich in Wellen. Ausgelöst von einem einschneidenden Ereignis wie zum Beispiel einer Energiekrise bekommt sie Schwung.

Viele Menschen machen sich dann Gedanken, wie man Energie sparsamer nutzen und sauberer erzeugen kann. Das ist die Zeit, in der neue Methoden und Produkte verstärkt weiterentwickelt, aber auch gekauft und angewendet werden. 
Leider ebbt die Welle nach einiger Zeit wieder ab - bis das nächste aufrüttelnde Ereignis kommt.

Energie in Wellen

Einen großen Schub bekam die Energiewende Anfang der 1970er Jahre. Eine weltweite Ölkrise machte vielen Menschen klar, dass die Ressource Öl nicht unendlich ist. Es folgten weitere kleinere und größere Wellen. Zuletzt bewirkte eine Nuklearkatastrophe im Kernkraftwerk Fukushima (Japan) im Jahr 2011 einen neuerlichen Aufschwung für die Energiewende. In Europa beschloss beispielsweise Deutschland, die Energieerzeugung aus Atomkraft und fossilen Energieträgern mittel- bis langfristig weitgehend durch erneuerbare Energien zu ersetzen.

Derzeit (2014) ebbt diese Welle wieder ab. Viele Menschen haben die Probleme der herkömmlichen Energieerzeugung aus den Augen verloren. Gleichzeitig hakt es bei den erneuerbaren Energieformen. Die Möglichkeiten für Wasserkraft in Europa sind weitgehend ausgeschöpft. Technisch wäre zwar noch viel möglich, die großen Projekte stoßen aber auf massive Akzeptanzprobleme. Biogas-Anlagen und Biodiesel haben sich nicht immer als wirtschaftlich erwiesen. Windenergie erhält zwar allgemein viel Sympathie, aber sobald konkrete Projekte geplant werden, sind viele Anrainer dagegen. Und das sind nur einige der Probleme.

Veränderungen als treibende Kraft

Trotz dieser Wellentäler nimmt die Energiewende den Schwung vergangener Impulse mit. Immer mehr Menschen sind sich der Probleme herkömmlicher Energieformen bewusst und drängen auf Veränderung. Der Grund dafür ist, dass die Probleme immer größer werden und immer mehr Menschen betreffen. Die Preise für fossile Energieträger steigen tendenziell - und das trotz immer effizienterer Fördermethoden. Ob der so genannte “Peak”, also das Fördermaximum, noch nicht erreicht oder schon überschritten ist, darüber diskutieren die Experten noch. Aber alle sind sich einig, dass die fossilen Energieressourcen in absehbarer Zeit so weit erschöpft sein werden, dass deren Nutzung immer weniger wirtschaftlich ist.

Vernunft kommt erst, wenn's weh tut

Dazu kommt der Klimawandel. Der wurde früher oft noch bezweifelt. Heute würde das kein Wissenschaftler mehr tun, wenn er ernst genommen werden will, zumal der jüngste Bericht des Weltklimarates keinen Zweifel mehr daran lässt. Schön langsam werden die Auswirkungen unangenehm spürbar. Die Meeresspiegel steigen messbar an. Unwetterkatastrophen häufen sich weltweit und fallen immer extremer aus. Wüsten werden größer, Gletscher und das Polareis dafür immer kleiner. All das und mehr wird mittelfristig zu vorhersehbaren Konflikten führen. Regierungen und internationale Organisationen werden immer mehr versuchen, mit übergeordneten Strategien und Programmen gegenzusteuern. Denn es wird immer klarer, dass die Kosten des Klimawandels in der Zukunft deutlich höher sind, als die Kosten eines engagierten Klimaschutzes heute.

Die Wende schreitet langsam, aber stetig voran.

Auf der anderen Seite gibt es immer mehr und immer bessere Ideen und Innovationen betreffend Energiesparen, erneuerbaren Energien, deren Nutzung und Speicherung. Es dauert aber eine gewisse Zeit, bis aus einer Idee eine Innovation und aus einer Innovation ein marktfähiges Produkt wird.

Wir werden vermutlich keine revolutionäre Energiewende erleben. Vielmehr wird es eine längere Übergangszeit geben. In dieser kommt es irgendwann zu einem sogenannten Tipping-Point - einem Punkt, an dem plötzlich alles ganz schnell geht. Trend- und Zukunftsforscher verwenden dafür gern das Bild eines Topfes mit Popcorn. Stellt man ihn auf den heißen Herd, tut sich lange nichts. Irgendwann poppt das erste Maiskorn auf, dann immer mehr und immer schneller und der Prozess ist nicht mehr umkehrbar.


 

Autor: Ewald Brunmüller

Mehr zum Thema Energiewende finden Sie in der Grenzland News Nr. 20, die wir für die Niederösterreichische Grenzlandförderungsgesellschaft (NÖG) erstellt haben.